Wie lange hält eine SSD?

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Mit unserem Blogbeitrag vom 17. Januar 2017 haben ich mich mit Thema SSD (Solid State Drives) in industriellen Anwendungen befasst. Heute will ich das Thema fortführen und auf Fragen zum Verschleiß eingehen: Wie wird der Verschleiß bei SSDs verursacht – und was können Sie als Anwender beachten, um das Verschleißrisiko und Downtimes zu reduzieren. In manchem Kopf herrscht noch die Meinung, SSDs hätten gar kein Verschleiß, das sei ja nur Elektronik. Dazu empfehle ich, den ersten Artikel vom Januar zu lesen.

Anzahl der Schreibzyklen

Eine wesentliches Kriterium zur Prognose der Lebensdauer der SSD sind vom Hersteller garantierten Schreibzyklen der Flash-Zellen. Der Grund liegt darin, dass sich die Oxidschicht in den Speicherzellen zersetzt. Grob gesagt liegt es an der Dicke dieser Oxidschicht, welche der Hersteller verwendet. Entsprechend gibt er die Anzahl der Schreibzyklen an – beispielsweise 5.000, immer bezogen auf die einzelne Speicherzelle. Nebenbei: Es gibt keine Möglichkeit, die Zellen wieder aufzufrischen, wie das manchmal in Internetforen zu lesen ist. Lesezyklen spielen übrigens keine Rolle, da nur beim Schreiben der Ladungszustand geändert wird, ganz gleich ob in einen Panel-PC oder Box-PC verbaut.

Abnutzungsausgleich der SSD

Aufgrund der begrenzten Haltbarkeit der einzeln Speicherzellen sorgen die Hersteller mit eingebauten Algorithmen für eine gleichmäßige Nutzung aller Speicherzellen. Sinngemäß wird die SSD einmal komplett beschrieben, bevor eine Speicherzelle wiederholt verwendet wird. Diese Funktion wir Wear Leveling genannt und lässt sich mit „Abnutzungsausgleich” übersetzen. Dadurch werden einzelne Zellen nicht mehr belastet als andere – und die Lebensdauer der gesamten SSD und dadurch auch die des Systems steigt.

Solid State Drives sind mechanisch robust und werden in vielen Industrie-Anwendungen eingesetzt. Bild: tci GmbH

Solid State Drives sind mechanisch robust und werden in vielen Industrie-Anwendungen eingesetzt. Bild: tci GmbH

Nicht beliebig auf die SSD schreiben

Die Hersteller haben damit das Stand heute technisch Machbare getan, um die SSD möglichst lange am Leben zu halten. Es gibt aber auch einige Punkte, die Sie als Anwender beachten können, damit Ihre Solid State Drives lange funktionieren, zudem steht Ihnen mit PreVision-Control ein industrietaugliches Monitoring zur Verfügung:

  • Verzichten auf hartes Ein- und Ausschalten der Industrie-Computer – besser sauber herunterfahren
  • Auslagerungsdatei, wenn möglich, deaktivieren oder auf HDD speichern, sofern parallel vorhanden
  • Indizierte Suche deaktivieren
  • Schreibcache deaktivieren
  • die Defragmentierung deaktivieren
  • Schnellstartmodus deaktivieren – zur Beschleunigung des Herunter- und Hochfahrens wird sonst jedem Aus- und Einschalten ein Teil des Arbeitsspeichers auf die SSD geschrieben
  • SSD großzügig dimensionieren – je größer, desto mehr Speicherzellen sind als Reserve verfügbar
Defragmentieren einer SSD ist nicht nur zwecklos, sondern schädlich. Bild: tci GmbH

Defragmentieren einer SSD ist nicht nur zwecklos, sondern schädlich. Bild: tci GmbH

 

Die Defragmentierung verkürzt bei SSDs – aufgrund der zusätzlichen Schreibzugriffe – nicht nur die Lebensdauer, sie bringt auch keine Vorteile. Wie oben schon erwähnt, verteilt die SSD die Datenblöcke automatisch unter dem Gesichtspunkt der gleichmäßigen Auslastung der Speicherzellen. Einen mechanischen Lesekopf, der beim Lesen einer fragmentierten Datei auf der HDD immer wieder neu positioniert werden muss, haben wir bei der SSD ja gar nicht. Genau genommen geht es darum, alle nicht dringend benötigte Komfortfunktionen zu deaktivieren, die zu Lasten der Lebensdauer der SSD gehen.

Haben Sie Fragen zum Einsatz oder zur Auswahl geeigneter SSDs für Ihre Anwendung? Oder zur optimierten Konfiguration Ihrer Systeme mit Solid State Drive? Schreiben Sie doch einen Kommentar in den Blog oder eine E-Mail direkt an mich.

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Heike Schwarz
Im Dezember 2008 begann ich mit meiner Tätigkeit bei der tci GmbH im Vertrieb für Gebäudetechnik und wechselte dann im September 2015 in das Support-Team. Eine meiner neuen und spannenden Aufgaben ist hier der First-Level-Support an der Hotline und die Beantwortung Ihrer Emailanfragen. Zusammen mit den Kollegen aus der Support-Werkstatt lösen wir Ihre Probleme so schnell wie möglich.
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