Politische Bildung in der Berufsausbildung

Demokratie braucht Mitmacher, Foto: Altmüller

Demokratie braucht Mitmacher“: Peter von Unruh (Zweiter von links), Direktor des Hessischen Landtags, erläutert den Lehramtsstudierenden im Seminar von Uwe Gerhard (rechts) die Angebote für Besuchergruppen im Parlament. Mit dabei sind auch seine Kollegen Susanne Baier und Friedel Pape. Foto: Altmüller“, Beitrag aus dem Gießener Anzeiger.

Die duale Berufsausbildung ist eine komplexe Angelegenheit, dass sie von einer Vielzahl an Akteuren begleitet und gesteuert wird. Als Auszubildender arbeite ich bei tci, meinem Ausbildungsbetrieb, und besuche die Berufsschule. Deren Lehrpläne werden durch die Landesregierungen der einzelnen Bundesländer festgelegt. Eine wichtige Rolle im System spielen auch die Kammern. Sie legen die Ausbildungsinhalte des betrieblichen Teils der Berufsausbildung fest und formulieren die entsprechenden Abschlussprüfungen.

Prüfungen zentral erstellt

Diese Prüfungen sind bundesweit einheitlich und werden von der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle der IHK Region Stuttgart (PAL) erstellt. Die Prüfungen enthalten einen so genannten WiSo-Teil (Wirtschaft und Soziales). Wie in den meisten anderen Bundesländern ist dieses Fach bei uns in Hessen jedoch nicht in den Lehrplänen der Berufsschulen zu finden. Unterrichtet wird Politik und Wirtschaft.

Politische Kompetenzen stärken

Meiner Meinung nach wird enormes gesellschaftliches Potential verschenkt, falls sich der Unterricht nur an diesen Prüfungsaufgaben orientiert. Wir lernen schließlich nicht für eine Prüfung, sondern für unsere Kompetenz und fürs Leben.

Im Rahmen eines Seminars an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landtag untersuchten wir die Frage:

Welche politische Kompetenz erwerben Berufsschüler/innen durch den Besuch im hessischen Landtag, die für den Ausbildungsalltag im Betrieb relevant sind?“

Im Rahmen dieser Forschungsfrage führten wir Interviews mit verschiedenen Akteuren der beruflichen Bildung. Interviewt wurden Abgeordnete mehrerer Parteien am hessischen Landtag, unter anderen Hugo Klein (CDU), Jürgen Frömmrich (Grüne), Heinz Lotz (SPD), eine Lehrkraft der Berufsschule sowie Dipl.-Ing. Michael Böck, geschäftsführender Gesellschafter der tci GmbH.

Auf die Frage nach politischen Kompetenzen, die Auszubildende für den Berufsalltag brauchen, stellt Herr Böck den respektvollen und demokratischen Umgang miteinander heraus.

Dipl.-Ing. Michael Böck, geschäftsführender Gesellschafter der tci GmbH; Bild tci GmbH

Dipl.-Ing. Michael Böck, geschäftsführender Gesellschafter der tci GmbH; Bild tci GmbH

„Trotz der Hierarchien in ein Betrieb ist es wichtig, auf andere zu achten. Auch die Würde des Menschen und somit seines Gegenübers ist ein wichtiger Teil betrieblicher Zusammenarbeit und [leider] nicht selbstverständlich“, ist Michal Böck überzeugt.

Einen Besuch der eigenen Auszubildenden im Landtag sieht Herr Böck sehr positiv. Das ist eine gute Möglichkeit, Auszubildende mit unserem politischen System zu konfrontieren, um Distanzen und Vorbehalte abzubauen. „Dieser Distanzabbau ist gerade bei jungen Leuten sehr wichtig, um die Zukunft unseres demokratischen Systems so sicher wie möglich zu machen“, fährt Michael Böck fort.

Aus den Interviews entstand ein 60-Seitiger Forschungsbericht sowie ein 3-seitiges Papier, das dem hessischen Landtag durch das Institut für Schulpädagogik, Elementarbildung und Didaktik der Sozialwissenschaften übergeben wurde.

Besonders erfreulich finde ich die Einstellung von Herr Böck zur politischen Bildung der Auszubildenden. Leider ist die offene Sichtweise von Herr Böck bezüglich der politischen Bildung in der Wirtschaft noch nicht sehr verbreitet. Das zeigte sich auch darin, dass die Bereitschaft von anderen Wirtschaftsvertretern, sich für ein Interview zu Verfügung zu stellen, sehr gering war.

Daher möchten wir uns nochmal ausdrücklich für die Unterstützung von Herrn Böck und der tci GmbH bedanken.

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Dennis K. Mühlich

Dennis K. Mühlich

Stud. BA Berufliche und Betriebliche Bildung bei tci GmbH
Stud. BA Berufliche und Betriebliche Bildung Elektrotechnik und Politik und Wirtschaft Justus-Liebig-Universität Gießen Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften (FB 03) Institut für Erziehungswissenschaft Professur für Berufspädagogik / Didaktik der Arbeitslehre
Dennis K. Mühlich

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